09 Der Rehlinger Hof - Gemeinde Fisch

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09. Der Rehlinger Hof

Trotz günstiger Lage im Mannebachtal und trotz einer Ausstattung mit Mühle, Pfarrhaus und einem zentralen Wirtschaftshof, entwickelte sich aus dem Gehöft Rehlingen keine dauerhafte Siedlung. Im Jahre 1537 besteht der Hof aus zwei Feuerstellen bzw. Haushaltungen. Aus dem Dunkel der Geschichte taucht zu ersten Mal im Jahre 1263 ein Hinweis auf. Ein „Herr von Bellenhausen" sei Besitzer des Dorfes und des Gutes. Dieses war ursprünglich ein Lehen des Trierer Domstiftes oder des St. Simeon Stiftes Trier. 1440 ist der Hof im Besitz des kurtrierischen Amtmannes in Saarburg Oswald von Bellenhausen, der in Riedlingen (= Rehlingen) eine Anna von Sierk heiratet.
Die von Bellenhausen waren sehr reich, neben dem Hof besaßen sie viele andere Besitzungen in unserer Gegend. Sie genossen hohes Ansehen, einige von ihnen wurden Schultheiß oder gar Schlosshauptmann in Saarburg. Durch Erbstreitigkeiten gerieten, um 1500, die Bellenhausener in immer größere Schwierigkeiten und durch Notverkäufe schrumpfte der Familienbesitz. Auch der Rehlinger Hof wurde wohl in der Zeit zwischen 1530 und 1550 veräußert. Das Geschlecht verschwand später aus der Geschichte. 
Das aus mehreren Gebäuden, darunter eine Mühle, bestehende Hofgut wurde 1557 durch die Freiherren von Warsberg erworben. Sie richteten im Hofhaus eine 1743 konsekrierte Hauskapelle des hl. Johannes von Nepomuk ein. In dieser Zeit bestehen in Rehlingen keine eigene Gemeinde mehr, sondern nur noch der Warsberger Hof und das Pfarrhaus. Das allein weiter bestehende Hofgut konnte die aufgegebenen Ländereien des alten Dorfes Rehlingen aufsaugen und wuchs somit zum größten Gut im ehemaligen Kreis Saarburg heran. Es bestand Ende des 18. Jahrhunderts aus 600 Morgen Wald, 662 Morgen Acker und fast 200 Morgen Wiesen.
Geht man vom Rehlinger Hof nach Richtung Maklisch so konnte man früher an der linken Seite des Weges mehrere Schutthaufen erkennen. Dort hat man die Grundmauern von Häusern aufgefunden. Hier vermutet man einen Teil des Dorfes Rehlingen. Östlich hiervon in Richtung Hostenberg liegt im jenseitigen Hang der Distrikt „Thiergarten“. Mündlichen Berichten zufolge soll ein nicht näher genannter früherer Besitzer des Rehlinger Hofes dort einen Tierpark besessen haben.
Die Herren von Warsberg waren Reichsritter und erhielten 1458 unter Luxemburger Landeshoheit Fisch, Litdorf/Rehlingen und Wincheringen als Lehen vom Trierer Kurfürsten. Die Warsberger waren in diesen Jahrhunderten einer der reichsten Herren im Raum Lothringen, Luxemburg und Trier. Das Geschlecht genoss hohes Ansehen, stellte sogar zwei Erzbischöfe und damit Kurfürsten. Gegenüber ihrer Untertanen sollen sie sich durch echte Fürsorge ausgezeichnet haben.
In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts entschlossen sich die drei Nachfahren der Familie Warsberg, ihren Besitz in der Region zu verkaufen. Der Besitzer des Rehlinger Hof, Franz Josef Alexander von Warsberg, ließ seinen Besitz inklusive Wälder und Ländereien 1839 versteigern. Das Gut ging für 88.000 Taler an die lothringische Familie de Wendel. Diese waren eine reiche Industriellenfamilie und stammten aus Hayingen in Lothringen. Um den als sehr günstig bezeichneten Kaufpreis wieder zu erwirtschaften, holzten die neuen Besitzer den dritten Teil des dazugehörenden Waldes ab.
Bis 1866 lebten auf dem Hof zwei Mennoniten-Familien (vom Volksmund fälschlich Wiedertäufer genannt) als Pächter. Während die eine der beiden Familien im Hause des Pächters lebte, wohnte die andere in einem Haus nahe dem Pfarrhaus. Dies Wohnhaus wurde um das Jahr 1870 abgerissen. Die Toten dieser Familien wurden auf dem Friedhof der Pfarrkirche dicht am äußeren Rand der Umgrenzungsmauer ohne Kreuz und dergleichen beigesetzt. Der südwestliche Teil des Friedhofes war ungeweiht und für „nicht katholisch getaufe“ Verstorbene vorgesehen.In der Folgezeit kamen Pächter als Bewirtschafter auf den Hof, während der Wald unter der Aufsicht eines Privatförsters direkt der Nutzung der Familie de Wendel unterstand. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde in den großen Waldungen noch Holzkohle hergestellt. Die Standplätze der Meiler sind für geübte Augen noch heute gut erkennbar.

Nach Kriegsende wurde der Hof unter eine Treuhandverwaltung gestellt. Die de Wendel boten ihren Besitz schließlich im September 1927 zum Verkauf an. Für 385.000 Reichsmark ging der Hof in die Hände der Gebrüder Peter und Dr. Josef Limburg über. Um den Neubesitz bezahlen zu können, griffen sie auf das bereits 90 Jahre zuvor erprobte Mittel zurück und legten die Axt an den Wald. Ganze Waldungen wurden abgeholzt und nicht mehr aufgeforstet. Unter anderem auch der der Kirche gegenüberliegende herrliche Buchenbestand des Rehlinger Waldes.
Die neuen Herren des Hofes sollen gute Landwirte gewesen seien, die viele Neuerungen einführten. So brachten sie den ersten Fordschlepper auf der Gemarkung zum Einsatz. Mit der Dorfbevölkerung und dem Pastor von Lithdorf lagen sie jedoch häufig im Streit. Ihr Eintreten für den Seperatismus, der Loslösung des Rheinlandes aus dem Reichsgebiet, zwang sie nach der Machtübernahme durch Hitler 1933 außer Landes zu gehen.


1934 verkauften sie den Hof mit Ausnahme der Restwaldungen an die Siedlungsgemeinschaft „Rheinisches Heim“ in Bonn. Das ehemalige Gut wurde in 16 Hofstellen aufgeteilt, in einer Größenordnung zwischen 50 und 72 Morgen Land pro Hof. Nach den Vorstellungen des damaligen „Reichsnährstandes“ entsprach dies einer „Ackernahrung“, der Basis für einen unabhängigen bäuerlichen Familienbetrieb. So entstand der Ortsteil Rehlinger Hof mit 12 neuen Anwesen in breiter Streuung, während vier Familien im alten Gutshof eine Heimstatt fanden. Das am alten Hofhaus stehende Pfarrhaus wurde abgebrochen und durch einen daneben stehenden Neubau ersetzt.
 
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