19 Landwirtschaft im Wandel - Gemeinde Fisch

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19. Landwirtschaft im Wandel


Allgemeine Entwicklung
Bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Landwirtschaft der wichtigste Erwerbszweig. Nahezu die gesamte Bevölkerung lebte als Selbstversorger davon. Während der Ernte wurde jede Hand gebraucht. Die Kinder mussten helfen, Säuglinge wurden mit aufs Feld genommen, weil keiner zur Betreuung zu Hause bleiben konnte. Alle aßen, arbeiteten und wohnten zusammen, Tür an Tür mit dem Vieh. Haushaltsvorstand war der Bauer, seinen Anweisungen musste jeder folgen.
Dreispänniges Pferdegespann (Linksmäher) bei der Weizenernte
Die Dörfer waren klein und so wurden die Bewohner durch Heirat miteinander verwandt. Nur selten verließ jemand sein Dorf und die nähere Umgebung. Das Dorfgeschehen vollzog sich immer unter den Augen der Gemeinschaft. Der Tages- und Jahresablauf waren durch die Landwirtschaft bestimmt. Einer brauchte den anderen, da alle Arbeiten von Hand durchgeführt wurden und alleine oft nicht zu schaffen waren. So wurde Gemeinschaftsarbeiten schwere Arbeiten verrichtet, Frondienste geleistet, die Allmende genutzt und das Vieh des gesamten Dorfes gemeinsam gehütet. Noch bis 1850 war man gegenüber den eisernen Pflügen sehr misstrauisch, selbst die Sense mit Ährenkorb wollte man bei der Getreideernte nicht haben. Neues wurde mit Misstrauen begegnet. So glaubte man beim eisernen Pflug an eine Vergiftung des Bodens und eine Begünstigung des Unkrautwachstums. Das Getreide wurde mit der Sichel geschnitten, einem Werkzeug, das die Leute zwang, in gebückter Haltung zu Arbeiten.
Die Zeit von 1850 bis zum Ersten Weltkrieg war geprägt hauptsächlich von Felderwirtschaft, Buchweizen bildete eine Hauptquelle der Ernährung. Raps zur Ölgewinnung fehlte ebenfalls nicht, und es gab kaum einen Haushalt, der nicht mindestens ein Feld mit Hanf oder Flachs angelegt hatte. Aus den Fasern dieser Pflanze entstand das leinen, der Grundstoff aus dem die Leineweber die Alltagskleidung der Menschen fertigten. Das Rapsöl wurde im Haushalt gebraucht, aber auch zum Einlackieren der Fußböden, die meist aus Fichtenholz waren. Wertvoll war das Nussöl, das vor allem in der Kirche gebraucht wurde. Hergestellt wurden die Öle in eigenen Ölmühlen in der Umgebung. Wer keinen eigenen Hof besaß oder dessen Land zu klein war, um die Familie zu ernähren, verdiente sich als Tagelöhner, Magd oder Knecht bei anderen Bauern. Nebenher wurde das eigene kleine Stück Land bewirtschaftet.
Heuernte in der Gemeinschaft beim Rehlingerhof 1940.
Wer alt oder krank wurde und nicht mehr arbeiten konnte, wurde in der Großfamilie versorgt. Die Wiesen war oft noch im Urzustand. Wiesengenossenschaften entstanden, die sich mit einer Verbesserung der Wiesenbeschaffenheit befassten. Neben Stallmist und Schafpferch wurden Kalk und Knochenmehl als Dünger benützt, Leinkuchen und Kleie als Kraftfutter. Pferde waren ein kostbarer Besitz und nur selten besaßen die Bauern welche als Zugtiere. So nutzen ihnen ihre Kühe in doppelter Weise: zum einen als Zugtiere, zum anderen als Lieferant von Fleisch, Milch und Fell. Meist gab es nur einen Zuchtbullen für das ganze Dorf, der in einem Stierstall untergebracht war. Die Schweine wurden gemeinsam in einer großen Herde vom Schweinehirten des Dorfes gehütet, ebenso das Rindvieh und die Schafe. Infolge mangelnder Stallhygiene traten oftmals Tierkrankheiten auf und nicht selten kam es zum Verlust des Viehbestandes.
Walzen des Feldes mit dem Pferdegespann.
Blick auf das Dorf
Schafherde der Gebrüder Limburg in den 20er Jahren vor der Pfarrkirche.
In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hatte sich an der Erwerbsstruktur im Dorf nicht viel geändert. Fast alle lebten von der Landwirtschaft, man baute nun auch Kartoffeln und Brotgetreide an. Die Bauern hatten in der Regel ein bis zwei Stück Vieh, Kühe und Schweine, meist auch Hühner. Die Bauern hatten ihren eigenen Backofen im Haus, um Brot zu backen. Fehlendes landwirtschaftliches Gerät wurde sich beim Nachbarn geliehen – die Nachbarschaftshilfe war selbstverständlich. Ein großes Problem war die Beschaffung von ausreichender Menge an Viehfutter. In Heckenland wurde in den Lücken der Sträucher und Hecken Gras als Viehfutter eingesät. Das geschnittene Futter wurde in der Hott nach Hause getragen oder Leute, die kein eigenes Land besaßen, ließen ihr Vieh dort grasen. Auch der Wald mit Eicheln und Bucheckern, aber auch in Notzeiten mit Laub diente den Tieren als Futterstätte – was die Jagdpächter nicht gerne saßen.
Im Jahre 1920er verschlechtere sich als Folge der Nachkriegszeit die wirtschaftliche Lage der Landbevölkerung. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte waren im Keller, die Maul- und Klauenseuche wurde durch Pferdegespanne der amerikanischen Expeditionstruppen eingeschleppt. Der durch die Seuche entstandene Verlust an Vieh war groß, so mancher Wagen Heu wurde von Männerhand heimgezogen. Um das Geld für die Dreschmaschine zu sparen, arbeiteten die Bauern mit dem Dreschflegel. Auch zur Zeit des Nationalsozialismus war Fisch wie die meisten Dörfer landwirtschaftlich strukturiert. Die Bauern waren Selbstversorger, Bargeld fehlt. Fast alle Arbeiten wurden von Hand erledigt, Maschinen gab es nur wenige. Gemäht wurde von Hand, auch Kartoffeln wurden von Hand ausgegraben. Nur reichere Bauern hatten damals schon einen Kartoffelpflug oder Schleuderroder. Die Dreschmaschinen wurden noch mit Dampf angetrieben. Um diese Zeit kamen die ersten Mähbinder auf.

Eine Hilfe war die Kartoffeldämpfkolonne, die mit einem Wasserdampfgerät von Haus zu Haus zog, die Kartoffeln eindämpfte, die dann in ein Silo kamen, dort eingestampft wurden und so als Schweinefutter haltbar gemacht wurden. In den Kriegzeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges kamen „Hilfs- oder Fremdarbeiter“ aus Osteuropa als Erntehelfer aufs Land. Auch französische Kriegsgefangene halfen mit und waren in Scheunen untergebracht. Wer als Mann Glück hatte, Brüder im Feld, wurde als „unabkömmlich“ (u.k.) eingestuft, Frauen mussten Männerarbeit leisten.
Kartoffelernte von Hand in den 90er Jahren.
Nach dem Krieg gab es ein Sanierungsprogramm. Die Landwirte erhielten Hilfen für Saat- und Düngemittel, zur Aufstockung der Viehbestände, Grünlandwirtschaft, Kriegsschädenbeseitigung, Aussiedlungen etc. Seit 1960 jedoch ist ein Rückgang der Landwirtschaft zugunsten von Industrie, Handwerk und Dienstleistung zu verzeichnen. Die Leute arbeiten nun nicht mehr in Fisch im Familienbetrieb, sondern in Trier, Saarburg oder Luxemburg in Betrieben oder Verwaltungen. Landwirtschaft wird als Neben- und Feiertagsbauerntum betrieben und schließlich aufgegeben. Die Mechanisierung in den Betrieben erobert nahezu alle Bereiche, von der Melkmaschine bis zur computer­gesteuerten Fütterung. Während die Zahl der Betriebe kontinuierlich abnimmt bleibt die bewirtschaftete Fläche allerdings nahezu konstant. Immer weniger Betriebe bewirtschaften mit Hilfe immer leistungsfähigerer Maschinen immer größere Flächen und größere Viehbestände. Flurbereinigungsverfahren schaffen die Voraussetzungen für größere zusammenhänge Agrarflächen, die heute durch Satelliten vermessen und entsprechend dieser Daten von der EU bezuschusst werden.
Das traditionelle Bild des Landwirts hat sich somit in den vergangenen zwei Generationen grundlegend gewandelt. EU-Agrarförderung, Selbstvermarktung oder Biomasse als Energieträger – nur einige Beispiele für diesen Wandel. Auch wenn Landwirtschaft als Erwerbszweig an Bedeutung verloren hat, ist sie für den Erhalt der Kulturlandschaft und eines „ländlichen Bewusstseins“ nach wie vor unverzichtbar.

Landwirtschaft in Fisch
Die Landwirtschaft in Fisch war geprägt durch Viehhaltung, aber auch durch den Anbau von Hackfrüchten wie Kartoffeln und Zuckerrüben sowie Getreide (Roggen und Hafer) und Klee. Die meisten Betriebe waren Gemischtbetriebe, mit Milchkühen, Bullenmast und Bullenzucht, Schweinezucht und Schweinemast. Daneben wurde für den Eigenbedarf auf den umliegenden Obstwiesen Viez und Schnaps gewonnen, ja zeitweilig sogar Wein angebaut. Vielfach wurde auch Imkerei betrieben.

Viez und Schnaps
Früher ein „Arme-Leute-Getränk“ war der Viez seit jeher das „Nationalgetränk“ des Saargaus mit seinen zahlreichen Streuobstwiesen, die sich wie ein Ring um die Ortslage legten. Wurde er früher zum Eigenbedarf hergestellt, hat sich der Viez heute als beliebtes Erfrischungsgetränk auf dem regionalen Markt etabliert. Viele stellen Viez heute als Selbstvermarkter her und kreieren neuen verschiedenen Viezsorten auch Liköre, Viezsekt und sogar Eisviez. Dies gilt ebenso für den Schnaps, der aus den Früchten der Region gebrannt wird. Auch hier hat eine Veredelung der Herstellung stattgefunden und die Fischer Schnäpse werden immer wieder für ihre Güte prämiert. Auf die Brennereien im Ort ist bereits eingegangen worden.
Imkerei und Bienenzucht
Immer schon waren die Bauern auf die Bienen als Bestäuber der Felder und der Bäume angewiesen. Zudem erzeugten sie neben dem Süßstoff Honig auch Wachs, der für Kerzen benötigt wurde. Vor dem Zweiten Weltkrieg widmeten sich einige Fischer der Bienenzucht und hielten sich mehrere Bienevölker zur Honiggewinnung. Die Bienenkästen standen entweder im Garten oder auf dem Feld am Waldesrand.
Bienenvölker hielten: Peter Scheer, Anton Wacht, Josef Hunsicker, Michael Thiel und noch nach dem Krieg Herbert Kruska, Matthias König, Peter Schons und Peter Bauer.
Jagd
Die Fischer Jagd ist eine Niederwaldjagd mit Rehen, Wildschweinen, Hasen, Fasanen und ähnlichem. Der Jagdbezirk hat heute eine Größe von 600 Hektar, davon 80 Hektar Wald. Der erste Jagdpächter vor dem Ersten Weltkrieg ein Herr Mohr aus Trier. Nach dem Zweiten Weltkrieg bedurfte es zur Jagdausübung einer Genehmigung der französischen Militärverwaltung. Jagdpächter war ein Herr Wagner aus Trier, der im Asbüsch eine erste Jagdhütte errichtete. Im folgte ein Herr Haubrich, ebenfalls aus Trier nach. Ab 1967 pachtete dann Siegfried Obertreis von Besseringen die Jagd, später gemeinsam bis 1999 mit Rudolf Schmidt aus Trassem. Seither ist die Jagd in den Händen von Armond Dusemond aus Luxemburg.
Die Gebrüder Scheer-Reinsbach als Holzfäller im Rehlinger Wald.
Das Holz wurde damals auf 1,30m gelängt.
Viehhaltung
Wichtiger als Kühe waren in früheren Jahren die Pferde. Pferdezucht war ein Hauptstandbein der Fischer Bauern. Die Pferde wurden mittels meist jüdischen Viehhändlern oder auf Viehmärkten in die saarländischen und lothringischen Kohlegruben und an Brauereien verkauft. Zudem wurden sie natürlich als Zugtiere genutzt.
Mit dem Aufkommen der Traktoren seit den 50er Jahren wurden Pferde mehr und mehr überflüssig. Die zuvor zur Futtergewinnung genutzten Felder wurden jetzt zum Anbau von Mais, Raps und anderem Getreide genutzt.
Kühe dienten in Fisch einerseits als Zugtiere, andererseits als Lieferant für Milch, aus der Butter und Käse hergestellt wurde. Die Milch wurde bis 1971 an die Molkerei Kirf (Preis pro Liter: 41 Pfennige), danach zur Molkerei nach Trier geliefert (Milchpreis im Jahr 84 pro Liter 60,5 Pfennige). 1991 fusioniert die Molkerei Trier mit den Hochwaldwerken in Thalfang, wo bis heute die Milch angeliefert wird.  Der Milchpreis beträgt im Frühjahr 2004 27 Cent  bei 3,7 % Fett 3,4 % Eiweiß.
Die Haltung der Kühe erfolgte fast überwiegend in Ställen. Weidehaltung wie heute gab es früher nicht. Zur Rinderzucht wurde im Ort ein Zuchtbulle gehalten, meist auf dem Rehlinger Hof.
Nur wenige Bauern wie die Familie Kirch betrieben eine eigene Zucht und konzentrierten sich später auf die Züchtung. Einzelne Tiere, wie die rotbunte Zuchtkuh „Jameike“, die auf der Deutschen Rotbuntschau in Münster im Jahre 1990 den Siegpreis errang, erzielten gute Preise.
Durch den Zusammenschluss von Zuchtverbänden und der Besamungsstationen entstand Anfang der 90er Jahre eine große Zuchtorganisation, die Rinder-Union-West, die dem Zuchtbetrieb Kirch die Möglichkeit eröffnete, auch schwarzbunte Kühe zu züchten. In der Folgezeit standen Kühe wie Finabell, Geranium,  Berolina und Gerasse im Herdbuchbetrieb, deren Nachkommen und Embryonen weltweites Interesse weckten und auch vermarktet wurden. Von diesen Hochleistungskühen wurden Zuchtbullen auf Besamungsstationen in 8 europäische Länder verkauft.
Speziell „Geranium“ eine der höchst bewerteten Excellentkühen in Deutschland, hat bisher mehr als 30 lebende Nachkommen und ereichte im hohen Alter von 13 Jahren eine Lebensleistung von 100 000 kg Milch. Sie gewann mehrere bedeutende Tierschauen in Frankreich und Deutschland.
Die Zuchterfolge des Betriebes Kirch wurden in der über 50-jährigen Zuchtarbeit mit 2 Staatsehrenpreisen, 2 Staatsplaketten, 2 Plaketten der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter sowie 3 goldenen, 3 silbernen und 4 bronzenen Plaketten der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz gewürdigt.
Alle anderen Betriebe haben sich auf die Milchproduktion, Mutterkuhhaltung oder Ferkelerzeugung spezialisiert. Die meisten milcherzeugenden Betriebe haben Ende der 90er Jahre auf schwarzbunte Holsteins umgestellt, da diese den größten Zuchtrindervorsprung haben. In unserer Gemeinde werden heute pro Jahr ca. 2,5 Millionen kg Milch produziert. Die durchschnittliche Leistung pro Kuh und Jahr liegt bei ca. 8.000 kg Milch. Der Betrieb Hoff Gbr. überschritt im Milchwirt­schaftsjahr 2002/2003 sogar die 10.000 kg pro Kuh und Jahr.

Schweine
Jeder Bauer hatte neben Pferden und Kühen auch ein paar Schweine im Stall. Im Winter wurde geschlachtet, um Wurst und Fleisch für den Eigenbedarf herzustellen. Schinken und Bauchen wurden im Rauchfang des Hauses geräuchert und so haltbar gemacht. Im Ort wurde von einem Bauern ein „Dorfeber“ gehalten, wo die anderen Bauern ihre Sauen „belegen“ lassen konnten. Die Ferkelerzeugung hatte in Fisch einen hohen Stellenwert. Auch einige Züchter waren erfolgreich mit ihrer Zucht auf Auktionen. So war bis Ende 1990 die Familie Weiland regelmäßig mit Ebern und Jungsauen auf Auktionen. Heute werden die meisten Ferkel noch als Babyferkel verkauft. Durch ein ständiges Hoch und Tief der Ferkelpreise hörten viele Betriebe mit der Ferkelzucht auf, sie spezialisierten sich auf Milchvieh oder gaben die landwirtschaftliche Produktion ganz auf. 2004 gab es in Fisch und auf dem Rehlingerhof nur noch zwei Betriebe, die sich intensiv mit der Veredelung beschäftigen.
Sehr hohe Hygienestandards, die aufgrund der seit Anfang 2000 in unserer Region herrschenden Schweinepest auferlegt wurden, erschwerten ihre Arbeit erheblich. 2004 wurde eine Schweinedatenbank eingeführt, wo jedes Ferkel aufgeführt und registriert wurde, eine absolute Kontrolle über Herkunft und Verbleib der Tiere.
Heute ist eine Leistung von 21 bis 22 Ferkel pro Sau und Jahr möglich. Verkauft werden diese dann in einem Alter von etwa 30 Tagen mit einem Gewicht von rund acht Kilogramm.

Pflanzenbau
Die Hauptfruchtarten in Fisch bestanden aus Weizen, Roggen, Hafer und Gerste. Anfang der 80iger Jahre kam Raps als Hülsenfrucht hinzu. In den immer größer werdenden Betrieben erfreute er sich auch wegen seines guten Vorfrucht­wertes immer größer Beliebt­heit. Der schwierige Anbau und zeitweise großer Preisverfall  (1980:  100kg = 120 DM, 2000: 100kg = 18 €) hielt den Anbau jedoch in Grenzen. Mais wurde auf dem Betrieb Theo Richartz schon 1936 angebaut, jedoch in sehr geringem Umfang (0,12 – 0,16 ha) und mit sehr geringen Erträgen (umgerechnet ca. 5,6 bis 10,5 dt/ha). Ab Mitte der 50er Jahre wurde Mais verstärkt als Grünfutter angebaut. Ab Mitte der 70er wurde Mais dann im großen Stil zur Silomais Produktion angebaut. Aktuell werden rund 80 Hektar Mais pro Jahr angebaut.
Getreidearten wie Dinkel, Buchweizen und Hafer werden heutzutage nicht mehr angebaut. Neben Mais und Raps werden Weizen und Winter- und Sommer-Gerste angebaut und vollmechanisch geerntet. Ein Vergleich der Erträge zeigt auch, wie Technisierung und immer bessere Düngung die Erträge pro Hektar gesteigert haben.
 

1936 - 19382000 - 2004
Weizen24-40 dt/ha
75-85 dt/ha
Winter-Gerste
20-38 dt/ha
65-75 dt/ha
Sommer-Gerste
12-18 dt/ha
50-60 dt/ha
Weinberge in Fisch
Die wirtschaftliche Not der 20er Jahre ist Auslöser zur Hinwendung für die Anlage  von Weinbergen am östlichen Abhang der Kimm, oberhalb der bekannten Feldflur. Unterhalb des Kappbergs und im Schosener entstehen die ersten Anlagen. Bei den Rigolarbeiten hinter dem Dorf stößt man auf fränkische Gräber.
Als Voreiter gelten Matthias Britten, von Onsdorf nach Fisch eingeheiratet, die Gebrüder Hans und Matthias Schmitt, Nikolaus Lutz,  die Gebrüder Löwenbrück, Peter Bauer-Jochem und Stellmachermeister Peter Schons. Die Gebrüder Löwenbrück bringen es auf eine Stockzahl von 4.000 Stück. Klein im Vergleich dagegen sind die Anlagen der anderen Fischer Winzer.
Die ersten Pflanzungen erfolgen mit sogenanntem „Totholz“ von Ons­dorf, später mit Reben aus privaten Rebschulen der Sorte „Kleinberg“. Da im Dorf das allgemeine Interesse an Weinbergsflächen um sich greift, kommt der Gedanke auf das große Driesch des Gemeindebergs, bisher als Viehweide benutzt, in Weinberge umzuwandeln. Nach einem Aufruf meldeten sich 16 Familien, die gewillt sind mitzumachen. Von diesen wurde dann die gesamte Fläche von Hecken befreit, um die Vermessung durch das Kataster vorzubereiten. Um eine einigermaßen gerechte Verteilung zu erreichen, im Bezug auf Hanglage und Bodenqualität unterschied man in den vorderen und hinteren Gemeindeberg.
Jeder Teilnehmer erhielt also ein Los, das unterschiedlich zwei Nummern trug, in unregelmäßiger Zahlenfolge. Es gab keine Einwendungen, die Unkosten wurden auf die  Teilnehmer umgelegt. Neue Weinbergsbesitzer wurden Matthias König, Franz Scheer, Nikolaus Winter-Hunsicker, Johann Löwenbrück, Matthias Schmitt, Johann Binz, Johann Hunsicker, Franz Winter, Nikolaus Clemens-Reinsbach, Jakob Görgen, Peter Wacht, Peter Scheer-Jonas, Johann Etringer-Wallrich, Nikolaus Schmitt-Clemens, Nikolaus Röhlinger und Johann Etringer-Boesen. Der hintere Teil des Gemeindeberges war naturgemäß durch seine Lage in schmale Parzellen aufgeteilt und wurde stellvertretend für alle Eigentümer von den Besitzern Johann Hunsicker, Johann Etringer, Nikolaus Clemens und Peter Scheer rigolt und angepflanzt.
Der Krieg mit seinen fatalen Folgen, zwei­maliger Evakuierung, Einsatz von bestimmten Personen in der Pflege der Weinberge führte zu einer Stagnation. Es begann ein Rückzug aus der Fläche, der sich laufend fort setzte. Zudem traten die geographischen Nach­teile, vor allem die Höhenlage gegenüber anderen Winzerorten nun deutlich zu Tage. Ertragsmäßig konnte man in Fisch nur alle 3-4 Jahre von einem vollen Herbst sprechen. Ein Novum stellte der Herbst 1947 dar, sein Most konnte mit Genuss unter der Kelter getrunken werden. Der Höchstpreis lag nach der Währungsreform bei 2.200 DM pro Fuder.
Der Rückzug aus dem Weinbau setzte sich nach 1958 immer weiter fort, der letzte Weinberg wurde in den 60er Jahren stillgelegt. Selbst die wenigen aus dem Ort, die in Köllig oder Nittel noch Weinberge hatten, haben mittlerweile das Handtuch geworfen. Die Natur hat die ehemaligen Weinbergsflächen wieder zurückerobert. Nur einige wenige Stützmauern aus unserem heimischen Kalkstein errichtet legen Zeugnis ab von der Epoche der Fischer Weinberge.
Technischer und mechanischer Fortschritt in der Landwirtschaft

Bis 1856 waren hier noch hölzerne Räderpflüge mit eisernem Schar in Gebrauch. Auch das Rister war noch aus Holz. Als ein Einwohner sich einen Pflug mit den wichtigsten Teilen, Rister, Siech und Schar aus Eisen zulegte, sollten einige alte Bauern, welche wohl eine lebendige Illustration zu den Schillerchen Worten: „Gegen Dummheit kämpfen selbst Götter vergebens geliefert haben mögen, ihm sei Verderben angekündigt; und sich überhaupt ganz unsinnig aufgeführt haben. Erst als in den anderen Dörfern dieser eiserne Pflug längst Einzug gehalten hatte, und sich klar herausgestellt hatte, dass dieser zweckmäßiger war, verstieg man sich auch hier zu dieser Verbesserung.
Das bezeugt auch die Geschichte von der Sichel, mit der man bis 1850 das Getreide abschnitt, dessen Mühseligkeit erklär­lich ist. Und doch sollen einige alte Bauern noch jahre­lang nicht geduldet haben, dass ihre Halmfrucht mit Sense und Ährenkorb ge­schnitten wurde. Sie meinten,  was die Väter und Großväter  getan war gut, ergo sei es für alle Zeiten gut, und alle neuen Erfindungen, Maschinen und dergl. seien Dummheiten und nur dazu da, einen rechtschaffenen Bauern zu ärgern.
Nach dem Abschluss der herbstlichen Ernte aller Feldfrüchte und der Obsternte erklang landauf und landab das monotone Klipp-Klapp der Dreschflegel im Zweier-, Dreier- oder Vierertakt. Das notwendige Saatgut für die Herbstbestellung war schon kurz nach der Einlagerung gedroschen worden, nachdem es den notwendigen Gärprozess hinter sich hatte. Im Gegensatz zu heute wurde das Getreide schon lange vor der Totreife geschnitten.
Schon vor der Jahrhundertwende hatten gut geführte Betriebe industriell hergestellte sogenannte Stiftendrescher in Betrieb genommen. Ihr Antrieb erfolgte manuell durch kräftige Männerarme über Kurbelwellen oder Göpelwerk, das tierische Zugkraft in Anspruch nahm. Im Gegensatz zu den später aufkommenden Breitdreschern wurde die Getreidegarbe mit den Ähren nach vorne in das schmale Maul des Stiftendreschers eingeführt. Findige Handwerker setzten einige Jahren später dem mühseligen Antrieb durch menschlichen Arbeitskraft, nach dem Einzug von elektrischen Motoren in das Dorf, ein Ende.
Um 1910 kam die erste Mähmaschine ins Dorf. 1925 waren in Fisch schon sieben Breitdrescher in Betrieb zu je 5 PS, sowie zehn Elektromotoren, die Leistungen von 3 PS erzeugten. Zwei Jahre später hatte sich die Zahl dieser Motoren auf zehn mit 5 PS und 18 mit 3 PS erhöht. Dieser gestiegene Strombedarf führt zu einem Umbau des elektrischen Leitungsnetzes, das nun über die Dächer geführt wird. Zur gleichen Zeit kommen die ersten elektrischen Kocher und Bügeleisen im Dorf auf. Ein erster gebrauchter Mähbinder mit Pferdezug wird von Johann Thiel und Johann Weiland für 1.000 Reichsmark vom Pächter des Rehlinger Hofes, Peter Winter, ersteigert. Zur Rodung ihrer Wälder schaffte die Gebrüder Limburg 1933 einen ersten Schlepper an. Sie brauchten einen Hanomag mit Seilwinde für diese Aufgabe. 1937 kamen die ersten Heurechen für Pferdezug ins Dorf, eine  große Erleichterung in der Heuernte.
1940 wurde auf dem Rehlingerhof schon mit der Scheibenegge gearbeitet, die noch mit Pferden gezogen wurde. Die ersten Breitstreuer für Pferdezug, zum Streuen von Dünger Einzug hielten, wurden in späteren Jahren auf Schlepperzug umgerüstet.  Eine weitere große Erleichterung bei der Heuernte war der Gabelwender. Der Antrieb erfolgte über die eigene Achse des Gabelwenders. Die Familie Löwenbrück erwirbt 1941 den ersten Schlepper im Dorf, einen  PS Comik für 4800,-RM. Der Schlepper von der Familie Löwenbrück wurde mit Benzin gestartet und wenn er warm war, wurde er umgeschaltet auf Petroleum. Nach dem Krieg wurde er auf Diesel umgebaut. Im selben Jahr erwarb die Familie Britten einen 20 PS Kramer, 1 Zylinder mit Mähwerk sowie den ersten gummibereiften Ackerwagen. Auch erste Wendepflüge für Pferdezug sah man zu dieser Zeit.
1941 kaufte sich die Familie Esser vom Rehlingerhof einen Schlepper mit Holzvergaserantrieb. Um diesen betreiben zu können, musste ein Lehrgang bei der Deutschen Landkraftführerschule in Berlin- Wartenberg besucht werden.
Nach dem Krieg erwarb die Familie Niederkorn eine transportable Dreschmaschine mit Presse. 1948-50 kam der erste Kartoffelroder ins Dorf und die Dreschmaschinen wurden mit Pressen ausgestattet. Um das Jahr 1955 kaufte die Gemeinde Fisch eine Pflanzenschutzspritze,  welche über denn Antrieb der eigenen Räder angetrieben wurde. Gezogen wurde sie anfangs noch mit Pferden. Auch die Heuspinne kam zu dieser Zeit auf, eine enorme  Erleichterung in der Heuernte, die den Heurechen ablöste. Auch die ersten Miststreuer kamen zu dieser Zeit ins Dorf und auf den Rehlingerhof.
1957/58 wurden die Schlepper mit einer Hydraulik nachgerüstet. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Pflüge mechanisch über Ratschen oder über Hebelwerke angehoben. Die ersten Hydrauliken wurden mit Handhebelpumpen angetrieben, was jedoch auch sehr schnell überlebt war. Jetzt wurden auch die Eggen auf Hydraulik umgerüstet. Zur selben Zeit erschien der erste Mähdrescher mit Absackstand der Marke Massey-Ferguson auf dem Rehlingerhof bei der Familie Bömmels. Nur wenig später kauften sich die Familien Hunsicker und Bauer in Maschinengemeinschaft den gleichen Mähdrescher.
Anfang 1960 wurde eine Spritze für die Hydraulik und mit Zapfwellen­antrieb von der Ge­meinde angeschafft. In den 60er Jahren folgten technische Neuerungen in schneller Folge. So kamen zum Einsatz ein Dreischar Beetpflug, Zapfwellen getriebene Heumaschinen und Düngerstreuer, Heulade­wagen, Kartoffelhack­geräte und Mitte der 60er Jahre die ersten Mähdrescher mit Korn­tank, die damals rund 12.000 DM kosteten.
1966 kamen die ersten Niederdruckpressen ins Dorf, die bald von Hochdruckpressen abgelöst wurden. Diese pressten die Strohballen wesentlich fester und sauberer. Über eine Maschinengemeinschaft wurde ein Kartoffelvorratsroder angeschafft. Erste Kreiselmäher und einreihige Maishäcksler wurden erworben.
Die Rübenernte wurde durch  Rübenroder der Marke van Lengerich, die um 1975 meist in Maschinengemeinschaft angeschafft wurden, maßgeblich erleichtert. 1978 fuhr auf dem Rehlingerhof erstmals ein selbstladender Ballenwagen (Kapazität 125 Ballen). Im selben Jahr kam ein Wurde zweireihiger Maishäcksler aus Mandern eigens nach Fisch zur Ernte. Der erste Mähdrescher mit drei Meter Schnittbreite wurden ebenso angeschafft wie erste Silierwagen und 1982 die erste Rundballenpresse, alles auf dem Rehlingerhof.
Zur Aussaat von Raps wurde 1986 die erste Kreiselegge angeschafft, die mit Zapfwelle angetrieben wurde. Die Aussaat von Raps erforderte diese Technik, um ein feinkrümeliges Saatbeet zu erreichen. Da die Drillmaschine an die Kreiselegge angebaut werden konnten, erleichtert diese Kombination die Arbeit sehr. Mit nur einem Arbeitsgang konnte geeggert und gesät werden. Der Mais wird seit 1993 mit vierreihigen Maishäcksler geerntet. Dazu kam ein Lohnunternehmer mit einem 150 PS Schlepper nach Fisch. 7-8 Hektar konnten an einem Tag geerntet werden.
Fam. Zimmermann bei der Rübenernte
1994 kam ein Grashäcksler mit 350 PS ins Dorf. So waren die Transportfahrzeuge schnell zu klein, sie wurden nach und nach auf großvolumige Kipper mit bis zu 20 Tonnen umgestellt. Die Grasernte wurde immer schlagkräftiger, größere Mäher mit einer Arbeitsbreite von 6 Metern und Doppelschwader mit einer Arbeitsbreite von über 8 Metern wurden angeschafft, um für die  großen  Häcksler und Silierwagen entsprechend leistungsstark zu sein. Die Tendenz zu schwerem Großgerät hält auch bis in die Gegenwart unverändert an. Immer größere Flächen können so bei immer geringerem Personalaufwand bewirtschaftet werden. Somit wird der Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe kompensiert.


Landwirtschaftliche Betriebe in Fisch

1960 waren in Fisch noch 70 Prozent der Betriebe im Vollerwerb.
1985 waren es noch 40 Prozent im Vollerwerb. 20 Prozent der Bevölkerung hatte die Landwirtschaft ganz aufgegeben.
1995 waren es noch 21 Prozent im Vollerwerb und 28 Prozent im Nebenerwerb. 51 Prozent hatte die Produktion ganz aufgegeben.
2005 gab es im Ortskern von Fisch noch ganz zwei Vollerwerbsbetriebe und ein Nebenerwerbsbetrieb sowie auf dem Rehlingerhof noch sechs Vollerwerbsbetriebe.
Weniger als 10 Prozent der Haushaltungen in Fisch erzielt ein Einkommen aus der Landwirtschaft.

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